Wieso wir in der JUSO sind – Teil 1

In unserer neuen unregelmässigen Serie erklären JUSO Mitglieder, wieso sie in der JUSO sind. Stella ist seit letztem September in der JUSO aktiv. Heute spricht sie über die Kompliziertheit von Politik, die eigentlich gar nicht so kompliziert ist, wie es manchmal scheint, über Aktivismus und über die gelebte freie Meinungsäusserung.

Natürlich war früher alles besser.

Früher trugen mich die Eltern ja auch auf den Schultern an die Anti-Atomkraft Aktionen. Oder gaben mir einen lilafarbenen Ballon beim Frauentag. Früher erklärten mir meine Eltern ganz simpel die Politik. Da gab es rechts, diese Seite bestand nur aus der SVP. Und meistens wählten die Bauern die. Und dann gab es links, diese Seite bestand nur aus der SP. Und meistens wählten die Leute in der Stadt diese Seite. So viel konnte ich mir merken. Nicht wirklich kompliziert. Dann gab es noch so eine Familienpartei wie die CVP. Die solle uns jedoch nicht interessieren, denn sie waren Religiös und Religion solle ganz weit weg von der Politik sein. So Simpel stellte ich mir Politik vor.

Und jetzt? Niemand trägt mich mehr an den Frauentag, und bindet mir einen Ballon um das Handgelenk. Plötzlich entdeckt man, dass hinter der SP noch viel mehr steckt. Plötzlich befasst man sich mit Klassenkampf. Und plötzlich ist Religion nicht mehr so fern von der Politik. Es gibt nicht nur mehr rechts und links. Da ist noch die Mitte, und die rechte Mitte, und die Liberalen, und die Linksextremen, und die Rechtsextremen und und und…
Aber verstanden habe ich nach einer Weile nicht mehr viel davon. Nur schon die Wahlunterlagen bei den Eltern zu sehen bereitete mir Kopfschmerzen.
Trotzdem drückten die Themen. Frauen und die Gleichstellung, LGBTQ, Feminismus und Anarchie!

Auch wenn ich noch so viele Bücher von Jean Ziegler, Michele Rothen, und Tucholsky las: Den einzigen den ich damit voll zu quasseln wagte, war mein Vater. Mit Freuden bewarf ich ihn mit Begriffen wie Pansexuell, Transgender, Niqab, Burka und die befreite Frau. Ich fühlte mich wichtig und informiert, und meinem Vater kostete es erstmal einige Nerven. Bis er in den Herbstferien, kurz vor den Wahlen ein Mail an die Jungen Sozialisten schrieb. „Jung, engagiert, politisch“. „Ändern was dich stört“. Klingt simpel. Er schickte mich, und ich blieb noch so gerne.

Und jetzt? Sprechen weitere, neue Leute über drückende Themen. Überwachung, Lohngleichheit, neue Tram-Linien. Und anstatt meinen Vater bei seinem Sonntags-Kaffee damit zu belagern, mache ich es selbst. Das was ich ihm sagte, setze ich um. Direkte Aktionen bei denen man gehört wird. Bei denen man sogar in der Zeitung erscheint.

Es ist ein unglaubliches Gefühl wenn man sich für etwas direkt einsetzt, es in den Händen hält, so wie Unterschriftenbögen, mit den Leuten redet, sie überzeugen kann, und dann auch etwas daraus gemacht wird. Auch wenn gesagt wird, Jede und Jeder hätte Meinungsfreiheit, kann man sich oft nicht hörbar machen. Es scheint als würde man erst mit einer grossen Firma und viel Geld Gehör erhalten. In der Juso kann ich endlich meine Meinungsfreiheit nützen. Man hat jederzeit die Chance das Megafon in die Hand zu nehmen.

Wenn man das Privileg besitzt, politisch aktiv sein zu können, ist es simpel. Denn auch wenn man nun einiges mehr an Richtungen, Strömungen, Systemen und Themen zu verstehen hat: Wenn man mitten drin steckt in der globalen Politik, versteht man es rasch: Ich habe Einfluss.

Kommentare sind geschlossen.