Mit einer Stimme Unterschied war die Entscheidung denkbar knapp, aber letztlich zählt das Resultat.
Gestern Montag hat sich der Grosse Rat in der ersten Lesung für das Stimmrechtsalter 16 ausgesprochen. Das ist sehr erfreulich und zeigt, dass zumindest ein Teil des Rates verstanden hat, wie wichtig eine frühe Angewöhnung von Jugendlichen an politische Entscheidungsfindungen ist.
Um sich bei Abstimmungen und Wahlen vernünftig entscheiden zu können, braucht es ein bestimmtes Vorwissen. Dieses Vorwissen, bspw. über Parteien, Wahlsysteme, die Organisation einer Gemeinde, eines Staates etc, müssen die Jugendlichen während der obligatorischen Schulzeit erhalten. Damit dieses Wissen und das vielleicht entstandene Interesse auch erhalten bleibt, ist es wichtig, dass es zur Anwendung gelangt. Es genügt nicht, zu sagen “Ja, in zwei Jahren darfst du dann”. Wenn man jemanden zwei Jahre auf die lange Bank schiebt, ist es nicht erstaunlich, wenn derjenige danach das Interesse verloren hat.
Ausserdem fällt diese Zeit der politischen Bildung in eine sehr wichtige Phase in der persönlichen Entwicklung einer jeden Person. Es ist die Zeit, in der sich langsam eigene Meinungen und eine eigene Persönlichkeit herauskristallisieren. Den damit verbundenen Drang, sich zu einzubringen und die eigene Meinung kundzutun, können wir entgegenkommen. Nämlich indem wir ihnen die Möglichkeit geben, mehr als nur ihr persönliches Umfeld mitzugestalten. Wer mitbestimmen darf, fühlt sich ernstgenommen. Und wer sich von einem politischen System ernstgenommen fühlt, ist eher bereit, sich dafür einzusetzen. Diese frühe und verstärkte Einbindung könnte helfen, der momentan grassierenden politischen Lethargie in zukünftigen Wählergenerationen entgegenzuwirken.
Es mag sein, dass sich ein grosser Teil derer, die von der Senkung des Stimmrechtsalters betroffen wären, nicht für Politik interessieren. Aber das ist kein Grund, die Senkung abzulehnen. Denn nehmen wir die Wahlbeteiligung als Entscheidungsgrundlage für oder gegen das Stimmrecht einer Bevölkerungsgruppe, so müssen wir uns konsequenterweise selbst das Stimmrecht entziehen.